Abteilung Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau

Modellvorhaben Schlei

MELUND Entwicklung neuer agrarpolitischer Förderinstrumente zur Reduktion der Nährstoffüberschüsse in der Landwirtschaft am Beispiel der „Modellregion Schlei“ in Schleswig-Holstein

Das Projekt wird mit Mitteln des Ministeriums für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein (MELUND) gefördert.

Projektlaufzeit: 01.04.2021 – 30.09.2024
Projektträger: Christian-Albrechts-Universität (CAU), Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät

Modellregion

Beteiligte Forschunginstitute

  • Institut für Agrarökonomie, Abteilung Landwirtschaftliche Betriebslehre und Produktionsökonomie, Prof. Dr. Uwe Latacz-Lohmann
  • Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung, Abteilung Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau, Professor Dr. Friedhelm Taube

Assoziierte Projektpartner

Hintergrund

Der Wasserkörper Schlei als inneres Küstengewässer sowie deren Zuflüsse sind nach den Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie in einem schlechten ökologischen Zustand. Gleichfalls ergeben sich für die gesamte Schlei bzw. deren Randgebiete weitere umwelt- und naturschutzrechtlich Vorgaben aus der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie inkl. HELCOM-Abkommen sowie aus den Natura 2000-Schutzansprüchen nach EU-Vogelschutz und Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Vor dem Hintergrund weiterer bestehender Umweltprobleme in und an der Schlei hat sich im Februar 2020 in vorhergehender enger Abstimmung mit den Kreisen Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde eine fraktionsübergreifende Allianz im Landtag darauf geeinigt, in einem „Modellprojekt Schlei“ eine nachhaltige Verbesserung der Gewässersituation in der Schleiregion herbeizuführen (LT-Drs. 19/1696 & 19/2009). Die Zielkulisse ist dabei das circa 70.000 ha umfassende Gewässereinzugsgebiet der Schlei.

Aufgrund der historisch sich sehr unterschiedlich entwickelten Agrarstrukturen nördlich (Angeln) und südlich (Schwansen) der Schlei, der sich hier bündelnden Umweltprobleme sowie dem besonderen Schutzstatus ergibt sich ein herausragender Modellcharakter mit vielfältigen Möglichkeiten für die Anwendung praxisrelevanter Forschungsansätze, insbesondere in der Disziplin der Agrarökosystemforschung. Im Rahmen der Tätigkeit des im April 2020 gestarteten „Modellprojektes Schlei“ (Projektträger: Naturpark Schlei e.V.) wurden daher erste relevante Forschungsfragen zur weiteren Bearbeitung identifiziert. Für die stark landwirtschaftlich geprägte Schleiregion werden in dem dargestellten Modellvorhaben die zentralen Problemfelder diffuser Nährstoffeinträge aus der Landnutzung sowie der Biodiversitätsverlust adressiert und konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet. Dabei ist eine Übertragbarkeit der abzuleitenden Untersuchungsergebnisse auf andere ähnlich betroffene Regionen grundsätzlich möglich. Die bei der Projektumsetzung kooperierenden Institutionen sind im Strukturbaum unter Abbildung 1 dargestellt.

Es werden zwei zentrale Fragestellungen in dem Modellvorhaben bearbeitet:

  1. Wie können inner- und überbetriebliche Innovationen (in Form von Hybridlandwirtschaft (Taube, 2020) und schlaginterner Segregation) unter Wahrnehmung innovativer Förderinstrumente zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung landwirtschaftlicher Betriebe bei gleichzeitiger Erreichung der Ziele des Wasser-, Klima und Biodiversitätsschutzes beitragen? Abteilung Landwirtschaftliche Betriebslehre und Produktionsökonomie der CAU Kiel, Prof. Uwe Latacz-Lohmann
  2. Wie sind die Ziele des Wasser-, Klima- und Biodiversitätsschutz im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben zu erreichen, ohne das wirtschaftliche Ertragsniveau für den Betrieb deutlich zu mindern? Abteilung Grünland und Futterbau / Ökologischer Landbau Professor Friedhelm Taube

 

Vorhabenbeschreibung

In dem Modellvorhaben geht es zum einen um die Ableitung und Bewertung des derzeitigen Ist-Zustands der unterschiedlichen landwirtschaftlichen Betriebstypen in der Modellregion hinsichtlich ihrer Ökosystemdienstleistungen und zum anderen um die Überprüfung alternativer Ansätze, insbesondere des Modells der Hybridlandwirtschaft, durch die kooperative Vernetzung spezialisierter landwirtschaftlicher Betriebe zur Optimierung von Nährstoffkreisläufen, Klimaschutz-sowie Biodiversitätsleistungen. Das Modell der Hybridlandwirtschaft (Taube, 2020) wird für das Forschungsprojekt definiert als die räumliche Interaktion eines Marktfrucht- und Tierhaltungsbetriebes verknüpft mit Elementen der extensiven Landbewirtschaftung, insbesondere der schlaginternen Segregation. Durch die Kombination von Fruchtfolgegliedern des Futterbaus mit klassischen Kulturen des Marktfruchtbaus kann die positive Vorfruchtwirkung genutzt werden, um hohe Erträge im Marktfruchtbau bei gleichzeitig reduziertem Ressourceneinsatz (Mineraldünger, Pflanzenschutz) zu erreichen. Gleichzeitig reduziert sich der hohe Anfall von Wirtschaftsdüngern auf den intensiven Tierhaltungsbetrieben und hilft somit die zu hohen betrieblichen Stickstoff (N) und Phosphor (P) zu reduzieren. So ergibt sich in diesem Ansatz eines „virtuellen Gemischtbetrieb“ durch eine Reduktion der externen Betriebsmittel und des GV-Besatzes eine landwirtschaftliche Produktion mit Elementen des Ökolandbaus (Hybrid) bei gleichzeitig hohen Erträgen. Die Hypothese ist, dass sich so effektiv Nährstoffüberschüsse in der Region reduzieren lassen, ohne dass die ökonomischen Leistungen der kooperierenden Betriebe negativ beeinflusst werden.

Zusätzliche Umweltleistungen dieses Systems ergeben sich, neben den Aspekten des Gewässerschutzes, durch gekoppelte positive Synergieeffekte für den Klima- und Biodiversitätsschutz. Letztere sollen durch schlaginterne Segregation als flankierende Maßnahme erzielt werden, indem Teilflächen der Ackerschläge für Brache- und Blühstrukturen vorgehalten werden. Diese extensivierten Teilbereiche senken die schlagspezifischen Nährstoffüberschüsse, stellen gleichzeitig wichtige Rückzugs- und Nahrungsflächen für wildlebende Arten dar und sind zusätzlich eine wirksame Maßnahme für den flächenbezogenen, biologischen Klimaschutz. Blühflächen und -streifen, die einjährig auf Ackerflächen angelegt werden, stellen voraussichtlich auch ein wesentliches Element der „Grünen Architektur“ in der kommenden GAP-Förderperiode dar (Bestandteil der „Konditionalität“ und/oder „Öko-Regelungen“). Um möglichst große Umfänge an Ackerflächen entsprechend aufzuwerten, bietet es sich im Hinblick auf die Ansprüche der landwirtschaftlichen Produktion sowie auch erwartbare Obergrenzen für Flächenanteile (Konditionalität) bzw. Begrenzungen der Fördermittel (Öko-Regelungen) an, Blühflächen/-streifen lediglich in ausgewählten Arealen feldmittig auf größeren Flächen anzulegen. Im Rahmen der Aktivitäten im Modellvorhaben wird in Kooperation mit dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) die Umsetzung produktionsintegrierter, feldmittiger Blühstreifen zusammen mit der Landwirtschaft erprobt und in ihrer Biodiversitätsleistung, bspw. hinsichtlich ihrer Wirkung auf das Feldvogelvorkommen, hin untersucht. Die Elemente des „virtuellen Gemischtbetriebes“ und der „schlaginternen Segregation“ sind in Abhängigkeit des Standortes und der Anbaubedingungen kombinierbar und erfüllen diverse Umweltdienstleistungen (Tabelle 1).

Tabelle 1: Verknüpfung verschiedener Formen der Landnutzung zur Hybridlandwirtschaft (Taube, 2020) und deren Einfluss auf verschiedene Wirkungsbereiche.

Verknüpfung

Die Bewertung und Hypothesenüberprüfung der Hybridlandwirtschaft als alternatives Bewirtschaftungssystem in der „Modellregion Schlei“ erfolgt im ersten Schritt auf Basis ökonomischer Kennzahlen sowie zusätzlicher durch eine Bewertung mit dem Modell der sogenannten Gemeinwohlprämie (GWP). Das förderpolitische Instrument der GWP (DVL 2020), landwirtschaftliche Betriebe für ihre tatsächlich erbrachten Ökosystemdienstleistungen über ein gestaffeltes Punktesystem zu honorieren, ist ein vieldiskutierter Ansatz bei der Ausgestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) nach dem Grundsatz „Öffentliches Geld für öffentliche Leistungen“. In diesem Zusammenhang sollen unter Mitwirkung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) in der „Modellregion Schlei“ 30 Betriebe gesucht und hinsichtlich ihrer ökologischen (GWP) und ökonomischen Leistungen (Agrarpolitik-, Akzeptanz- sowie betriebswirtschaftliche Analyse) bewertet werden Der Weiterentwicklung des im Rahmen der GWP formulierten Ansatzes der Honorierung übergesetzlicher Hof-Tor-Bilanzen ist dabei ein zentraler Bestandteil der Forschungsaktivitäten.

Zusätzlich wird in einem zweiten Schritt ein Betriebspaar (jeweils ein Tierhaltungs- und ein Markfruchtbaubetrieb) in der Region ausgewählt. Die beiden Betriebe agieren während der Projektlaufzeit als Modell- und Demonstrationsbetriebe und stellen Teilflächen auf das empfohlene Betriebsmodell „Hybridlandwirtschaft“ um. Diese zwei Modellbetriebe werden neben den genannten indirekten Bewertungswerkzeugen auf die agronomischen Leistungen und Umweltdienstleistungen auch direkt experimentell untersucht. Neben diesem On-Farm-Research Ansatz, werden unter den gleichen Boden- und Umweltbedingungen Exaktversuche auf dem Versuchsgut Hohenschulen der Christian-Albrechts-Universität (CAU) etabliert. Ziel dieser begleitenden Untersuchungen ist es, computergestützte Pflanzen-Wachstums-Modelle für das empfohlene System Hybridlandwirtschaft zu validieren, um entsprechend Leistungen und Umweltwirkungen für verschiedenen Fruchtfolgekonstellationen für Schleswig-Holstein prognostizieren zu können. Diese Ergebnisse werden verwendet, um Prognoseunsicherheiten hinsichtlich der ökonomischen Bewertungen für die Etablierung eines solchen Systemansatzes in der „Modellregion Schlei“ im Sinne einer Szenarioanalyse zu reduzieren.

Projektstruktur

Abbildung 1: Projektstruktur und Kooperationspartner des Modellvorhabens in der Modellregion Schlei

 

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