Abteilung Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau

Verdaulichkeit

Schätzung der Verdaulichkeit von Milchkuhrationen bei Weidegang

Bearbeiterin: Dr. M. Lukas

Institut für Tiernährung und Stoffwechselphysiologie, Christian-Albrechts-Universität Kiel

Zusammenfassung der Dissertation "Fecal Crude Protein as an Estimate of Diet Digestibility in Cattle (Schätzung der Verdaulichkeit von Rationen beim Rind anhand des Rohproteingehalts im Kot)".

Die Verdaulichkeit der organischen Masse (OM), eine zentrale Bestimmungsgröße des energetischen Futterwertes, kann aus dem Rohprotein (XP)-Gehalt im Kot geschätzt werden, da beim Wiederkäuer eine Beziehung zwischen dem XP-Gehalt im Kot und der Verdaulichkeit der OM besteht. Diese Beziehung beruht auf der Abnahme der Kotmenge und einer erhöhten Ausscheidung von unverdautem Pansenmikrobenprotein bei steigender Verdaulichkeit. Bisher fehlen allerdings allgemeingültige etablierte Schätzgleichungen, um diese Beziehung zur Schätzung der Verdaulichkeit von Rationen zu nutzen. Das Ziel der vorliegenden Arbeit war daher, eine allgemeingültige Schätzgleichung für Rinder zu entwickeln und die Genauigkeit der Schätzmethode an einem unabhängigen Datenmaterial sowie in Feldversuchen zu überprüfen. Anhand eines umfangreichen Datenmaterials aus Verdauungsversuchen, die an verschiedenen Instituten durchgeführt wurden und eine große Vielfalt an Futtermitteln und Rationen einschlossen, konnte eine allgemeingültige Gleichung zur Beschreibung der Beziehung zwischen dem XP­Gehalt im Kot und der Verdaulichkeit der Ration abgeleitet werden. Allerdings . wiesen bei entsprechenden Verdaulichkeitswerten Rationen mit Alpenwiesenfutter einen höheren XP-Gehalt im Kot auf als die übrigen Rationen, so daß bei der Ableitung der Gleichung die Abweichung für Alpenwiesenfutter über eine Konstante berücksichtigt werden mußte:

Verdaulichkeit der OM (%) = ai - 107.7 x e(-0.01515 x Kot-XP [g/kg OM]) mit

ai = 79.76 (allgemeine Rationen) und

a2 = 72.86 (Alpenwiesenfutter);

n = 445; R2= 0.82; RSD = 2.7; SE = 0.13.

Obwohl diese Gleichung ausschließlich an Daten von Rationen mit konservierten Rauhfuttermitteln abgeleitet wurde, konnte bei der Beurteilung ihrer Genauigkeit an dem unabhängigem Datenmaterial eine besonders gute Eignung für Frischgras festgestellt werden. Die Beziehung zwischen dem XP-Gehalt im Kot und der Verdaulichkeit der OM zeigte sich relativ robust gegenüber Einflüssen seitens der Rationszusammensetzung und der Höhe der Futteraufnahme. Es wurden jedoch auch signifikante Überschätzungen der Verdaulichkeitswerte bei einigen Rationen beobachtet, die auf eine gesteigerte Passage der aufgenommenen OM in den Dickdarm bei gleichzeitige Abnahme der Verdaulichkeit der OM im gesamten Verdauungstrakt und erhöhter mikrobieller XP-Ausscheidung zurückzuführen sein dürfte.

In einem Weideexperiment konnte die hohe Empfindlichkeit des XP-Gehaltes im Kot gegenüber relativ geringen Qualitätsunterschieden der Weiden, die zusätzlich anhand von Schnittproben bewertet wurden, auch unter Feldbedingungen gezeigt werden. Die Ergebnisse des Weideexperimentes zeigten, daß eine Differenz in der Verdaulichkeit zwischen Rationen von 2 Prozenteinheiten mit P < 0.01 nachgewiesen werden kann, wenn eine Kotprobe pro Tag von 13 Tieren je Gruppe gesammelt werden.

Die Schlußfolgerung ist, daß die Schätzung der Verdaulichkeit der OM aus dem XP­Gehalt im Kot eine geeignete und relativ empfindliche Methode ist, mit nur wenigen Tieren Qualitätsunterschiede zwischen Rationen zu erfassen, die sich besonders für Untersuchungen an weidenden und freilebenden Tieren eignet. Für Rationen, die in ihrer Zusammensetzung von den geprüften abweichen oder für die eine erhöhte Fermentation im Dickdarm erwartet werden kann, sollte die vorliegende Gleichung mit Hilfe eines Verdauungsversuches geeicht werden, um die Genauigkeit bei ihrer Anwendung zu gewährleisten. Die Vorteile der Schätzung der Verdaulichkeit der Ration aus dem XP-Gehalt im Kot sind,

 

  1. dass diese Schätzwerte die Verdaulichkeit der tatsächlich von den Tieren aufgenommenen Radon widerspiegeln, was insbesondere bei weidenden Tieren von Interesse ist, da sich hierbei das von den Tieren selektierte Material deutlich von dem angebotenen unterscheiden kann,
  2. dass die tatsächliche und nicht die potentielle Verdaulichkeit erfaßt wird, sowie
  3. die einfache Durchführung der Methode.
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