Abteilung Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau

Futteraufnahme

Selektive Futteraufnahme durch Milchkühe auf Umtriebsweiden

Auswirkungen auf Ertrag und Futterqualität

von Julia Baade, M. Wachendorf und F. Taube 

1.  Einleitung

Im Rahmen des N-Projektes Karkendamm fanden in den Jahren 1997 und 1998 Untersuchungen auf Umtriebsweiden zweier Systeme (unterschiedliche botanische Zusammensetzung und Düngung) statt. Das Ziel war es, mit Hilfe pflanzenbaulicher Methoden zu beschreiben, wie sich die Bestände beider Systeme für 3 unterschiedliche Aufwuchstypen (Frühjahrs-, Sommer- und Herbstaufwuchs) hinsichtlich Ertrag und Qualität während einer 5-tägigen Beweidungsphase verändern. Zusätzlich sollte geprüft werden, ob mittels der verwendeten Methodik Aussagen über die Entwicklung der botanischen Zusammensetzung und über das Freß- und Selektionsverhalten der Milchkühe gemacht werden können. 

2. Material und Methoden

Der Versuchsbetrieb „Karkendamm“ der CAU Kiel liegt auf der schleswig-holsteini-schen Geest (Bodenart: schwach bis stark humoser Sand, 18-25 Bodenpunkte). Das langjährige Niederschlagsmittel liegt bei 866 mm, die durchschnittliche Jahrestemperatur bei 8,6 °C. Untersucht wurde ein Mischbestand, der als Umtriebsweide genutzt wurde und im Mai 1998 wie folgt bonitiert wurde (s. Tab. 1).

Tab. 1: Ertragsanteilschätzung der Umtriebsweide Mai 1998

Gräser

Kräuter

Leguminosen

33 % Deutsches Weidelgras

16 % Wiesenrispe

6 % Gemeine Rispe

5 % Gemeine Quecke

3 % Wiesenlieschgras

+ Knaulgras

+ Wiesenfuchsschwanz

33 % Gemeiner Löwenzahn

+ Hornkraut

+ Vogelmiere

+ Krauser Ampfer

+ Gänseblümchen

+ Wiesenkerbel

+ Gemeine Kratzdistel

+ Große Brennessel

+ Efeublättriger Ehrenpreis

+ Wiesenstorchschnabel

+ Kriechender Hahnenfuß

4 % Weißklee

+: in Spuren vorhanden

Die untersuchte Weide wurde im Frühjahr 1996 mit 3 kg Weißklee und 20 kg G5 ha-1 (Standardgrasmischung, 30 % DW früh, 30 % DW mittel, 40 % DW spät) nachgesät.

Bei Vegetationsbeginn 1997 wurde die Fläche mit 20 m³ ha-1 Rindergülle (90 kg Nges-1) gedüngt, eine mineralische Düngung erfolgte nicht. Die Fläche wurde während 4 Aufwüchsen mit Milchvieh (Holstein-Frisian und Red Holstein) für jeweils 5 Tage pro Nutzung beweidet. Zur Erfassung des TM-Ertrages, der botanischen Zusammensetzung und der Futterqualität bei Beweidungsbeginn, erfolgte die Beprobung am Nachmittag vor dem Auftrieb der Tiere (Tag 1) sowie täglich während der Beweidung (Tag 2-6). Nach Abtrieb der Milchkühe wurde die Fläche je nach Höhe des Weiderestes mit Jungtieren und trockenstehenden Kühen beweidet, bevor sie nachgemäht wurde. Bei der Bemessung der Weidefläche wurde ein Weiderest von 30 - 40 % angestrebt, um den Tieren eine ausreichende Selektion zu ermöglichen. Außerdem wurde der Ertrag bei Auftrieb, die Herdengröße, eine geschätzte tägliche Futteraufnahme pro Tier sowie der prognostizierte Zuwachs während der Beweidungsperiode berücksichtigt. Zur Erfassung des Zuwachses während der 5-tägigen Beweidung (Lantinga, 1985) sowie zur Beobachtung der ungestörten Bestandesentwicklung und -alterung, wurden auf der Weide mit Elektrozaun 2 je 200 m2 große repräsentative Teilstücke abgetrennt. Die Weide wurde diagonal in 8 repräsentative Teilstücke gegliedert und in jedem Teilareal wurde täglich eine Probe mit der Größe von 0.25 m2 mit einer Rasenkantenschere 5 cm oberhalb des Bodens geschnitten (Mischprobe). Zusätzlich wurde der Bestand in 5 cm mächtigen Schichten („Schichtproben“) in 4-facher Wiederholung beprobt (Schicht 1: 5 – 10 cm, ... bis Schicht 5: > 25 cm). Diese wurden zusätzlich in die Artengruppen Gräser, Kräuter und Leguminosen fraktioniert. Dadurch war es möglich, das sich täglich verändernde Futterangebot und die wechselnde botanische Zusammensetzung, die sich aus dem Fressverhalten der Tiere ergibt, sowohl quantitativ als auch qualitativ zu beschreiben. Nach Trocknung und Vermahlung der Proben wurden wesentliche Futterqualitätsparameter mittels NIRS geschätzt.

3.  Ergebnisse

Die Entwicklung des Krautanteils im Frühjahrsaufwuchs und des Kleeanteils im Sommeraufwuchs für die einzelnen Bestandesschichten stellt die Abb. 1 dar. Für den 1. Aufwuchs gilt, dass sich der Grasanteil (nicht dargestellt) gegenläufig zum Krautanteil verhält, der Klee spielt mit unter 5 % Ertragsanteil keine Rolle und zeigt auch für die einzelnen Bestandesschichten keine Veränderung der Ertragsanteile während der Beweidungsphase. Im 3. Aufwuchs ist es der Krautanteil, der sich nicht verändert, der Grasanteil (55 % des Gesamtbestandes bei Beweidungsbeginn) verhält sich gegenläufig zum Kleeanteil. Die Abb. 1 zeigt den stärker abnehmenden Anteil des Krautes auf der Weide im Vergleich zu den unbeweideten Flächen. Für den Krautanteil des ersten Aufwuchses gilt dies besonders für die unteren beiden Schichten sowie die Schicht 4 (20 – 25 cm Bestandeshöhe). Für den Klee im Sommeraufwuchs ist die Abnahme des Ertragsanteiles auf der Weide und eine Zunahme auf den unbeweideten Flächen in allen Schichten deutlich zu erkennen. Aus diesem Verlauf der Ertragsanteile läßt sich eine Bevorzugung des Krautes (in bestimmten Schichten, 1. Aufwuchs) und des Weißklees (3. Aufwuchs) gegenüber den Gräsern ableiten. 

Eine Mögichkeit, diese Selektion quantitativ auszudrücken, ist der Selektionsindex nach Hodgson (1990), der sich wie folgt berechnet: 

Wert > 1: positive Selektion,
Selektinsindex = Gras/Kraut/Klee im aufgenommenen Futter
Wert = 1: neutral  Gras/Kraut/Klee im Bestand
Wert < 1: Vermeidung

Daraus ergeben sich für die untersuchten Aufwüchse des Jahres 1998 die folgenden Werte der Tab. 2.

 

 

Abb.1:    Entwicklung des (A) Krautanteils (% der Gesamtbiomasse) im Frühjahrsaufwuchs und des (B) Kleeanteils im Sommeraufwuchs in den 5 Schichten des beweideten und unbeweideten Bestandes.

Tab. 2:    Selektionsindices für die untersuchte Weide 1998

SI

Gräser

Kräuter

Leguminosen

Frühjahrsaufwuchs

0,74

1,37

1,20

Sommeraufwuchs

0,76

1,20

1,32

Herbstaufwuchs

0,91

1,05

1,24

nach Hodgson (1990)


Die Selektionsindices verdeutlichen für alle untersuchten Aufwuchstypen des Jahres 1998 die positiven Selektion von Kräutern und Leguminosen (für 1997 ergibt sich ein ähnlicher Selektionsverlauf). Die Auswirkungen, die die selektive Beweidung auf die Futterqualität hat, zeigt die Abb. 2. Es werden die Rohproteingehalte des Krautes (1. Aufwuchs) sowie des Klees (3. Aufwuchs) den jeweiligen Misch­beständen gegenübergestellt. Dabei spiegeln die Rohproteingehalte des Mischbestandes die Qualität des gesamten Futterangebotes wider. Die Rohprotein­gehalte von Kraut und Klee zeigen die Qualität des aufgenommenen Futters auf. Diese entspricht dem dargestellten Rohproteingehalt des Vortages. Im ersten Aufwuchs wurde für die Kräuter ein höherer Rohproteingehalt gemessen als für den Mischbestand (mit Ausnahme des letzten Beweidungstages). Ähnliches gilt für den Weißklee im Sommeraufwuchs, wobei der Rohproteingehalt der Leguminosen auf einem deutlich höherem Niveau (22 % d. TM) als der des Mischbestandes (16 % d. TM) liegt. Daraus läßt sich schließen, daß die Tiere durch ihr selektives Freßverhalten qualitativ höherwertiges Futter aufgenommen haben, als im Mischbestand angeboten wurde.

Die Untersuchungen zeigen, dass mit pflanzenbaulichen Methoden die Bestandes­veränderungen während einer Beweidungsphase sowohl quantitativ als auch qualitativ erfasst werden können. Mit Hilfe der Schichtenmethodik war es möglich, das täglich wechselnde Futterangebot (Ertrag und Anteil einzelner Schichten am Futterangebot sowie botanische Zusammensetzung) zu erfassen. So konnte eine Selektion von Kräutern und Leguminosen gegenüber den Gräsern nachgewiesen werden. Zusätzlich ließen sich Aussagen zum Fressverhalten der Tiere machen (Stratifikation des Bestandes).

4. Literatur

  • Hodgson, J., 1990: Grazing Management – Science into Practice. Longman Scientific Technical, New York, pp. 203
  • Lantinga, E. A., 1985: Simulation of herbage production and herbage intake during a rotational grazing period: an evaluation of Linehan´s formula. Netherlands Journal of Agricultural Science, 33, 385-403
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