Abteilung Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau

AVI-LAND

AVI-LAND

Analyse der Auswirkungen unterschiedlicher landwirtschaftlicher Flächennutzungen und Naturschutzmaßnahmen auf die Vogelfauna

Projektlaufzeit

2005-2007

Projektkofinanzierung

INTERREG IIIa-Programm der EU

Projektpartner

Universität Kiel, Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Fyns Amt, Natur-og Vandmiljøafdelingen

Projektbearbeiter

Dr. Helge Neumann (Universität Kiel)
Dipl.-Biol. Leif Bisschop-Larsen (Fyns Amt)

Hintergrund und Ziele

Auf der Basis der Beschlüsse von Rio de Janeiro (Übereinkommen über die biologische Vielfalt 1992) wurde auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg im Jahr 2002 beschlossen, dass der beobachtete anhaltende Rückgang der Biodiversität bis zum Jahr 2010 gestoppt werden soll. Als Hauptverursacher für den Rückgang der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft wird die intensive Landwirtschaft angesehen (KNICKEL 2001).

Das Projekt AVI-LAND hat zum Ziel, am Beispiel der Artengruppe der Vögel zu ermitteln, wie die beobachteten negativen Entwicklungen aufgehalten werden können. Hauptinhalt des Projektes ist eine mehrjährige Feldstudie, in der die Vogelbesiedlung unterschiedlich intensiv bewirtschafteter Flächen vergleichend analysiert wird. Neben konventionell genutzten Landwirtschaftsflächen werden ökologisch bewirtschaftete Flächen sowie Naturschutzgrünländer untersucht.
Die Vogelarten des Grünlandes gehören zu den am stärksten gefährdeten in Deutschland (BAUER et al. 2002).

Die Bearbeitung des Projektes erfolgt grenzüberschreitend im Rahmen des Interreg IIIa-Programms der EU. Auf deutscher Seite werden die Untersuchungen in der K.E.R.N.-Region durchgeführt. In Dänemark erfolgen die Untersuchungen in dem Landkreis Fyns Amt, mit dessen Verwaltungsbehörde für Natur und Umwelt (Fyns Amt, Natur-og Vandmiljøafdelingen) die Universität Kiel im Rahmen des Interreg III a-Projektes AVI-LAND zusammenarbeitet.

Probeflächen und Methoden

Probeflächen

Die Untersuchungen der primär landwirtschaftlich genutzten Flächen erfolgen hauptsächlich in der >K.E.R.N.-Region, während die Analysen der Vogelbesiedlung von Naturschutzgrünlandflächen v. a. auf Fünen durchgeführt werden.

In der K.E.R.N.-Region stehen für das Projekt 20 Landwirtschaftsbetriebe zur Verfügung, die bereits im Rahmen des Forschungsvorhabens COMPASS Comparative assessment of land usesystems) der Universität Kiel u. a. im Hinblick auf Stickstoff- und Energieflüsse untersucht werden. Die Hälfte der Betriebe wird nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Innerhalb der beiden Gruppen (ökologische, konventionelle Bewirtschaftung) existieren sowohl reine Ackerbaubetriebe als auch Gemischtbetriebe, so dass spezielle Untersuchungen zu Vogelbeständen sowohl auf Marktfrucht- als auch auf Futterbauflächen erfolgen können.

(Für die Analyse der Vogelbesiedlung von Naturschutzgrünlandflächen kann sowohl in der K.E.R.N.-Region als auch auf Fünen auf mehrere Gebiete zurückgegriffen werden, in denen in den letzten Jahren entsprechende Maßnahmen umgesetzt worden sind. Der Schwerpunkt der Untersuchungen wird auf Fünen erfolgen, da das Fyns Amt bereits seit vielen Jahren auf dem Gebiet des Wiesen- bzw. Küstenvogelschutzes arbeitet. Die für das Projekt AVI-LAND ausgewählten Naturschutzflächen unterscheiden sich sowohl in ihrer Nutzung als auch in den Standortverhältnissen, so dass Kausalanalysen zu dem Vorkommen einzelner Vogelarten bzw. dem Erfolg unterschiedlicher Schutzmaßnahmen möglich sind.

Methoden
Die Vogelkartierungen erfolgen ganzjährig, so dass (potenzielle) Effekte der genannten Einflussgrößen sowohl zur Brut- als auch zur Nicht-Brutzeit ermittelt werden können (siehe CHAMBERLAIN et al. 1998). Die Brutzeiterfassungen (März/April-Juni/Juli) werden in Anlehnung an das klassische Verfahren der Revierkartierung durchgeführt, bei dem insbesondere singende (revieranzeigende) Männchen erfasst werden (FALK 1990, BIBBY et al. 1995). Während der Nicht-Brutzeit (Juli/August-März/April) wird einmal je Monat eine so genannte Linientaxierung durchgeführt, bei der alle Vögel, die entlang einer festgelegten Kontrollroute der jeweiligen Fläche eindeutig zuzuordnen sind, nach Art und Anzahl notiert werden (BIBBY et al. 1995).
Um mögliche Ursachen für das Vorhandensein oder Fernbleiben bestimmter Vogelarten zu ermitteln, werden im Rahmen der Brutzeitkontrollen nach standardisierten Methoden weitere Parameter erhoben, von denen bekannt ist, dass sie einen Einfluss auf die Vogelbesiedlung haben können (Entwicklung der Vegetationsstruktur und der Wuchshöhe der Vegetation, Vorhandensein und Ausmaß von vertikalen Randstrukturen). Da alle Daten zur landwirtschaftlichen Produktion (Schlaggrößen, Bewirtschaftungsmaßnahmen usw.) im Rahmen des COMPASS-Projektes aufgenommen werden, können diese Angaben mit Literaturdaten zur Brutbiologie der einzelnen Feldvogelarten verschnitten werden, so dass zusätzliche Aussagen zum potenziellen Bruterfolg abgeleitet werden können (siehe NEUMANN & KOOP 2004).

Ergebnisse

Die Ergebnisse der Felderhebungen werden mit den Resultaten einer Literaturstudie zusammengeführt und bilden die Basis für Risiko- bzw. Schwachstellenanalysen der untersuchten Landnutzungssysteme. Bei der Ableitung von Empfehlungen für eine nachhaltige Landbewirtschaftung wird berücksichtigt, inwieweit die vorgeschlagenen Maßnahmen unter den gegeben agrarpolitischen Bedingungen umsetzbar erscheinen.

Veröffentlichungen
  • Neumann, H., Loges, R. & F. Taube (2008): Comparative analysis of conventional and organic farming systems: Diversity and abundance of farmland birds. In: Neuhoff, D., Halberg, N., Alföldi, T., Lockeretz, W.,
  • Thommen, A., Rasmussen, I. A., Hermansen, J., Vaarst, M., Lueck, L., Caporali, F. Hogh Jensen, H., Migliorini, P. & H. Willer (Editors): Cultivating the Future Based on Science. Volume 2 – Livestock, Socio-economy and Cross disciplinary Research in Organic Agriculture. Proceedings of the Second Scientific Conference of the International Society of Organic Agriculture Research (ISOFAR), held at the 16th IFOAM Organic World Congress in Cooperation with the International Federation of Organic Agriculture Movements (IFOAM) and the Consorzio ModenaBio, 18 – 20 June 2008 in Modena, Italy, 644-647. (link) Neumann, H. (2008): Konventioneller und ökologischer Ackerbau im Vergleich. Biodiversität und Artenschutz. Bauernblatt Schleswig-Holstein und Hamburg 62./158., 28-32. (PDF-Datei: 2,2 MB)
  • Neumann, H., Markones, N., Loges, R. & F. Taube (2007): Mehr Brutvögel auf ökologisch bewirtschafteten Ackerflächen? Ergebnisse aus zwei unterschiedlichen Landschaften Schleswig-Holsteins. In: Fiedler, W. (Redaktion): Tagungsband zur 140. Jahrestagung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) vom 29. September bis 03. Oktober 2007 in Giessen. S. 54. (PDF-Datei; 5,08 MB)
  • Neumann, H., Loges, R. & F. Taube (2007): Vergleichende Analyse konventioneller und ökologischer Anbausysteme: Vielfalt und Häufigkeit von Vögeln auf Ackerflächen - Ergebnisse aus dem Projekt „AVI-LAND“. Mitt. Ges. Pflanzenbauwiss. 19, 256-257. (PDF-Datei; 3,7 MB)
  • Neumann, H., Loges, R. & F. Taube (2007): Fördert der ökologische Landbau die Vielfalt und Häufigkeit von Brutvögeln auf Ackerflächen? Untersuchungsergebnisse aus der Hecken-Landschaft Schleswig-Holsteins. Berichte über Landwirtschaft 85, 272-299. (PDF-Datei; 1,8 MB)
  • Neumann, H., Loges, R. & F. Taube (2007): Brutvögel auf ökologisch und konventionell bewirtschafteten Äckern in Norddeutschland. In: Zikeli, S.,
  • Claupein, W., Dabbert, S., Kaufmann, B., Müller, T. & A. Valle Zarate (Hrsg.): Zwischen Tradition und Globalisierung. Beiträge zur 9. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau, Stuttgart-Hohenheim, 20.-23.3.2007, 835-838. (link)
  • Kelm, M., Taube, F., Hüwing, H., Kemper, N., Neumann, H. & J.-A. Verreet (2007): Wissen, wo man steht. Ergebnisse des Projektes "COMPASS". Breitschuh & Kock GmbH, Kiel. 81 S. (link)
  • Neumann, H., Bisschop-Larsen, L., Loges, R. & F. Taube (2006): Zum Einfluss des Ökologischen Landbaus auf Feldvögel in der Acker-Knick-Landschaft. Poster präsentiert auf der Jahrestagung der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft für Schleswig-Holstein und Hamburg e.V. (OAG) am 5.3.2006 in Fockbek (PDF-Datei; 385 KB)
  • Neumann, H., Bisschop-Larsen, L., Loges, R. & F. Taube (2006): Impact of organic agriculture on diversity and abundance of farmland birds in an arable landscape with hedges. In: Andreasen, C. B., Elsgaard, L., Søndergaard Sørensen, L. & G. Hansen (Ed.): Proceedings of the European Joint Organic Congress, 30 and 31 May in Odense, Denmark: 42-43. (link)
  • Neumann, H., Bisschop-Larsen, L., Loges, R. & F. Taube (2006): Zum Einfluss des ökologischen Landbaus auf Feldvögel in der Acker-Knick-Landschaft. Mitt. Ges. Pflanzenbauwiss. 18, 218-219.
  • Neumann, H. & R. K. Berndt (2006): Erstes Verzeichnis der Siedlungsdichteuntersuchungen von Sommervogelbeständen für Schleswig-Holstein. Corax 20, 138-150.

Literatur

  • Bauer, H.-G., Berthold, P., Boye, P., Knief, W., Suedbeck, P. & K. Witt (2002): Rote Liste der Brutvögel Deutschlands. 3., ueberarbeitete Fassung, 8.5.2002. Ber. Vogelschutz 39: 13-60.
  • Bibby, J., Burgess, N. D. & D. A. Hill (1995): Methoden der Feldornithologie. Neumann Verlag, Radebeul.
  • Chamberlain, D. E., Wilson, J. D. & R. J. Fuller (1998): A comparison of bird populations on organic and conventional farm systems in southern Britain. Biological Conservation 88: 307-320.
  • Falk, K. (1990): Vejledning i metoder til overvågning af fugle. Miljøministeriet, Skov- og Naturstyrelsen, København.
  • Knickel, K., Janssen, B., Schramek, J. & K. Käppel (2001): Naturschutz und Landwirtschaft: Kriterienkatalog zur „Guten fachlichen Praxis“. Angewandte Landschaftsökologie 41. Landwirtschaftsverlag, Münster.
  • Neumann, H. & B. Koop (2004): Einfluss der Ackerbewirtschaftung auf die Feldlerche (Alauda arvensis) im ökologischen Landbau. Naturschutz und Landschaftsplanung 35: 145-154.

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Links


Beteiligte Institutionen und Organisationen (Auswahl)
Ausführende Projektpartner Universität Kiel, Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
Fyns Amt, Natur- og Vandmiljøafdelingen
Fyns Amt Fyns Amt
Technologieregion K.E.R.N. K.E.R.N.
Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MLUR) Schleswig-Holstein MLUR SH
Ornithologische Arbeitsgemeinschaft (OAG) für Schleswig-Holstein und Hamburg e.V. OAG SH HH
Dansk ornithologisk Forening (DOF), Vereinigung daenischer Ornithologen DOF

Informationen zum Vogel- und Naturschutz in der Agrarlandschaft
Forschungsprojekt der Universität Kiel zu Auswirkungen der Umstellung des Hofes Ritzerau auf Ökologischen Landbau Projekt "Hof Ritzerau"
Forschungsprojekt des Bundesamtes für Naturschutz zur naturschutzfachlichen Optimierung des Ökologischen Landbaus Naturschutzhof Brodowin
Informationsbroschüre zu Bestand, Gefährdung und Schutz der Vögel der Agrarlandschaft, herausgegeben vom Michael-Otto-Institut im NABU

Infobroschüre

Infobroschüre als PDF-Datei (0,6 MB)

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